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Der Geschmack der Enttäuschung

Der Geschmack der Enttäuschung 6016 4016 Parsley of Happiness

Zucker hat es im Moment echt nicht leicht. Was mal die Lösung für alles war, ist jetzt so was wie der Staatsfeind Nummer 1. Weizenmehl bietet zwar reichlich Konkurrenz um diesen Titel, aber der Zucker ist nicht zu stoppen. Geschmack der Enttäuschung.


Die Generation zucker:                                                              

Der Geschmack der Enttäuschung

Zucker hat es im Moment echt nicht leicht. Was mal die Lösung für alles war, ist jetzt so was wie der Staatsfeind Nummer 1. Weizenmehl bietet zwar reichlich Konkurrenz um diesen Titel, aber der Zucker ist nicht zu stoppen.

Die Generation Zucker

Früher war Zucker nur für besondere Anlässe. Zucker war gleichbedeutend mit Desserts oder dem einen oder anderen Zuckerwürfel im Kaffee. Doch irgendwann in der Geschichte ist was schiefgegangen und inzwischen wird Zucker für sozusagen alles verwendet.

Ich gehöre zu der, wie ich sie gerne nenne, Generation Zucker. Ich hatte eine traumhaft süße Kindheit voller Dicksaft, Gummibären und Ketchup, viel Ketchup. Ich war live dabei an dem Tag, an dem wir Limonaden in Plastikflaschen mit Schraubverschluss kaufen konnten. Ab dann konnten wir flüssigen Zucker immer und überall bei uns tragen. Wir hangen quasi rund um die Uhr an einem intravenösen Diabetes-Katalysator.

Trauriger Abschied

Und dann wurde Zucker zur Wurzel des Bösen ernannt. Ich bedauere dieses billige Wortspiel, aber jeder, der beim Zahnarzt eine Wurzelbehandlung durchgemacht hat, kann dieser Entwicklung nur zustimmen.

Schließlich sollten wir uns von allen Produkten, die wir schon so liebgewonnen hatten, trennen. Die Schwachen unter uns griffen nach der Notlösung: die zuckerfreie Alternative.

„Doch, doch, es schmeckt genauso gut wie die Variante mit Zucker.“

Genauso gut, my a**.

Egal was die Produkte versprachen, es war als hätte ich gerade in etwas Künstliches mit einem Beigeschmack von Zahnpasta oder Halstabletten gebissen.

Es war nicht zu vermeiden, ein Entzug musste her. Tee ohne Zucker, Kaffee ohne Zucker, Apfelmus statt Zucker im Kuchenteig. Die Not macht sehr kreativ. Angeblich isst man weniger Schokolade, wenn sie kühlschrank-kalt ist. Oder etwas Zimt im Kaffee soll die Lust auf Zucker stillen. Tut es nicht.

Ist es süß, gibt es Hoffnung

Die Euphorie hatte keine Grenzen an dem Tag, als Stevia in Europa zugelassen wurde. Ein Süßstoff, der 300 Mal(!) süßer als Zucker sein sollte, ohne eine einzige Kalorie oder Karies. Das nenne ich gute Nachrichten. Eine Freundin von mir hat sogar gemeint, die EU sei schuld gewesen, warum sie ein paar Kilo zu viel auf der Hüfte hatte. Hätten sie früher Stevia zugelassen, wäre sie schlank wie ein Gartenzaun gewesen. Ich finde diese Logik irgendwie nachvollziehbar, wenn auch etwas weit gestreckt. Aber das alles war jetzt Schnee von gestern. Puderschnee versteht sich.

Die Wiedervereinigung mit La Dolce Vita war in greifbarer Nähe. Voller Erwartungen versuchte ich Stevia zum ersten Mal. Wohl, wohl, es war süüüß. Nach jahrelanger Zuckerabstinenz war es wie ein mundgerechtes Häppchen mit Glückshormonen.

Das zweite Mal habe ich den verdächtigen Nachgeschmack gespürt, was so gar nicht Zucker ist. Ich habe es aber so gut es geht ignoriert.

Beim dritten Mal, war es, als hätte ich einen zuckerfreien Kaugummi mit Schokoladenkuchengeschmack im Mund. Dabei handelte es sich um einen ganz normalen Schokoladenkuchen ohne Zucker, bloß daran war gar nichts normal. Es war nur seltsam und unbefriedigend süß, aber kein Zucker.

So schmeckt er also, der Geschmack

Süss kein Zucker Gussstoff

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