Hamp Superheldenpflanze

Mit Hanf können wir die Welt retten

Mit Hanf können wir die Welt retten 1920 2563 Parsley of Happiness

Auf Salone de Mobile in Milano habe ich vor einigen Jahren ein Mädchen getroffen, das einen traumhaften Sessel aus Hanf präsentierte.

«Mit Hanf können wir die Welt retten», erzählte sie begeistert.

Ich habe höflich gelächelt, war mir aber sicher, dass sie den Hanf für so manches verwendet, nicht nur Möbel. Einige Jahre später muss ich meine Unwissenheit eingestehen und zugeben, dass sie womöglich recht hatte …

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Auf Salone de Mobile in Milano habe ich vor einigen Jahren ein Mädchen getroffen, das einen traumhaften Sessel aus Hanf präsentierte.

«Mit Hanf können wir die Welt retten», erzählte sie begeistert.

Ich habe höflich gelächelt, war mir aber sicher, dass sie den Hanf für so manches verwendet, nicht nur Möbel. Einige Jahre später muss ich meine Unwissenheit eingestehen und zugeben, dass sie womöglich recht hatte …

Hanf Plantage
Foto: Matteo Paganelli on Unsplash

Damals war mein Wissensstand über Hanf wirklich kaum existent. Ich habe mich einfach der Schafsherde angeschlossen und für uns war es etwas, das man raucht *kicher, kicher* und mehr nicht. Mittlerweile ist Hanf eine Rohware, die niemand, auch nicht ich, übersehen kann und sollte so absolut nicht unterschätzt werden.

Bis zu den 60ern war Hanf tatsächlich so üblich wie Baumwolle oder Flachs. Eine beliebte Legende erzählt sogar, dass die erste Levis-Jeans aus Hanf gemacht wurde. Die Legende ist zwar nicht wahr (sie ist aus Baumwolle erstellt), aber hätte es in der Zeit sehr wohl sein können!

Die Pflanze erlebte einen Höhenflug (Pun intended) in den 60ern und 70ern als Hippie-Droge. Das hat Hanf als Rohware einen tiefen Kratzer im Lack gegeben und in vielen Ländern wurde es sogar verboten (auch in Österreich und Deutschland), schade eigentlich, und so missverstanden.

Deshalb gleich zur ersten wichtigen Frage:

VW Buss hippie boho
Ist Hanf immer noch nur eine Hippie-Droge? Foto: Add Weed on UnsplashBuss

Ist Hanf zum high werden?

Industrieller Hanf, wie es genannt wird, wird von den Pflanzen der Cannabis-Familie gewonnen. In der Regel Cannabis Satvia, was so viel bedeutet, dass die Pflanze eine Kulturpflanze ist.

Was die Pflanzen von der Hanffamilie zum Narkotikum macht, ist der psychoaktive Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Hanf mit einer Menge THC-Gehalt von mehr als 0,3 Prozent ist illegal.

Zusätzlich kann auch Cannabidiol (CBD) aus der Pflanze gewonnen werden, hier besteht aber laut der WHO keinerlei Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotential und ist so auch keine Droge.

Doch hier sprechen wir also von industriellem Hanf. Das ist eine Variante der Hanfpflanze mit einem unbedeutenden Anteil an THC. Eben unter dieser magischen Grenze von 0,3 Prozent. Das ist nicht viel, angeblich müsstest du einen ganzen Acker aufheizen, ehe es zum Kitzeln anfängt.

Anders ist es bei Marihuana, eine andere Variante der Cannabis Sativa, mit einem deutlich höheren Anteil an THC.

Das wird womöglich für viele als eine Enttäuschung kommen, es ist aber praktisch unmöglich, von industriellem Hanf high zu werden.

Die einfache Antwort hier ist also: die in Europa erhältlichen Hanfprodukte machen nicht high. Ich würde aber nirgends in der Welt die Bettwäsche oder die Handcreme rauchen. Erstens, weil es äußerst seltsam wäre, und zweitens außer einen schlechten Ruf bekommst du nichts.

Hanf ist nachhaltig und kann für fast alles verwendet werden
Foto: Ryan Lange on Unsplash

Wo ist Hanf her?

Die ersten Spuren von der Cannabis-Pflanze sollen 30.000 Jahre alt sein.

Auch als Nutzpflanze ist Cannabis Sativa die älteste Kulturpflanze, die wir kennen, und ist in China angebaut worden. Sie wurde als Lebensmittel aber auch als Material genutzt, Cannabis als Arzneimittel ist zurück bis 2700 v. Chr. bekannt.

Ungefähr aus der gleichen Zeit wurde auch Seil aus Hanf in China gefunden.

Hanf kam aus China über Indien und den Irak nach Europa. Die ersten Hanfsamen wurden in Deutschland gefunden und sind aus 2500 v. Chr.

Hanfstoffe sind die ältesten Textilien, die wir kennen. Die Griechen und Ägypter haben um 450 v. Chr. Stoffe aus Hanf gewebt und sie als Kleidung getragen.

Seither wurde Hanf zu einer immer wichtigeren Nutzpflanze in der westlichen Welt. Bis die Hippie-Bewegung Mitte der 60er Hanf in ein schlechtes Licht gerückt hat, vielleicht etwas unfair, aber immerhin. Schon wurde die Hanfpflanze in mehreren Ländern verboten, auch in Österreich und Deutschland.

Jedoch seit Mitte der 90er ist das Interesse für Hanf beachtlich gestiegen und die Pflanze genießt wieder erhöhte Beliebtheit und Akzeptanz als nachhaltige Nutzpflanze. Nicht überraschend eigentlich, wenn man bedenkt, was diese Pflanze alles kann.

Hanf og hva det kan brukes til

So misunderstood – schnelle Fakten:

✓ Cannabis ist das griechische Wort für Hanf.
✓ Marihuana und Hanf sind zwei verschiedene Varianten von der gleichen Pflanze.
✓ CDB-Öl wird aus den Blättern und Blumen der Pflanze gewonnen und als Arzneimittel verwendet. Hanföl kommt von den Samen und wird fürs Kochen verwendet.

Sessel aus Holz und Hanf
Mit diesem Stuhl von Malina s.r.l hat das alles begonnen

Warum ist Hanf besser als andere Materialien?

Jetzt ist es ja kein Wettbewerb, aber Hanf ist tatsächlich besser als viele andere Materialien in vielerlei Weise.

Anbau:

Zuallererst ist Hanf eine Pflanze, das gibt ihr ja unmittelbar einen Megavorsprung gegenüber allen synthetischen Materialien und Produkten aus Rohöl. Aber da ist sie ja nicht alleine.

Weil Hanf im Vergleich zu Baumwolle sehr schnell wächst und überhaupt nicht anspruchsvoll ist, hat er nur die Hälfte des Wasserverbrauchs von Baumwolle. Baumwolle wächst hauptsächlich zusätzlich nur gerne in Gegenden mit wenig Wasser.

Hanf dagegen wächst überall, was uns zum nächsten Punkt bringt. Es wächst wie Unkraut. Nicht zufällig wird die Pflanze auf Englisch gerne Weed (Unkraut) genannt. Es kann bereits nach 120 Tagen geerntet werden. Das ist die gleiche Zeit wie Flachs, aber um 50 Tage kürzer als Baumwolle.

Zudem ergibt Hanf einen höheren Ertrag als irgendeine andere Pflanze. Die Pflanze ergibt ungefähr 168 kg per 100 Quadratmeter, während Baumwolle nur 56 kg für die gleiche Fläche ergibt.

Holz ist ein traumhaftes Material, aber nur so als Vergleich: ein Weihnachtsbaum braucht 13 Jahre, bis er fertig ausgewachsen ist. Auf der anderen Seite muss Wald nicht jährlich gedüngt und bearbeitet werden wie Agrarland. Auch wächst ein Baum höher als Hanf und wenn es auf der Erde weniger Anbaufläche gibt, nutzt Holz besser den Luftraum aus.

Weiter ist Hanf sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten, Schädlinge und Unkraut. Das bedeutet, er braucht wenig Dünger und eigentlich gar keine Pestizide. Baumwolle nimmt nur 2,6 % der total angebauten Fläche der Welt ein, steht aber für 6 % des gesamten Pestizidverbrauchs und sogar 16 % des Insektizidverbrauchs.

Es gibt so viele Faktoren, die in diese Berechnung eigentlich mit hineinkalkuliert werden sollten, sodass ein Vergleich fast unmöglich zu sein scheint. Das Beste ist wohl eine gesunde Mischung. Der Fokus hier ist aber, warum Hanf einen größeren Anteil vom Mix verdient, als er heute hat.

Nutzung

Textilien

Hanf und Flachsfasern (was wir Leinen nennen, wenn sie zu Stoffen gewebt sind?!?!) haben viel gemeinsam. Sie sind beide starke Fasern, nehmen Feuchtigkeit auf, wirken isolierend und haben antibakterielle Eigenschaften. Sie haben die gleichen hohlen Fasern, die im Sommer kühlen und im Winter wärmen (siehe Faktenbox).

Jedoch wenn es um die Stärke geht, hat Hanf doch die Nase vorn. Die Hanffasern sind bis zu acht Mal stärker als Flachs, was Hanf zu einem beliebten Material für Segeltücher macht.

Es hilft auch sehr, dass Hanf widerstandsfähig gegen Salzwasser und Schimmel ist.

Wie Baumwolle und Wolle schützt Hanf auch gegen UV-Strahlen. Das ist nicht nur ein Vorteil, wenn du in der Sonne bist, es bedeutet auch, dass die Textilien nicht in der Sonne ausbleichen. Das ist hilfreich, wenn du Vorhänge oder Möbelstoffe aussuchst.

Hier ist zum Beispiel Leinen (von Flachsfasern) eine schlechtere Wahl, da Leinen diese Eigenschaft kaum hat.

Baumaterialien

Hempcrete oder Hampbetong ist eine Mischung aus Hanfstängel und Kalk. Es klingt ein wenig wie das vegane Gegenstück der Baubranche. Hempcrete sollte aber ernst genommen werden, es ist bis zu sieben Mal stärker als Beton, wiegt aber nur die Hälfte. Es kann für Wände, Fassaden, Isolierung, Boden, Decken, Neubau und Renovierung verwendet werden. Ganz schön clever …

Hanf reguliert die Feuchtigkeit und hat einen positiven Effekt auf das Innenklima. Als Isoliermaterial hat es eine ähnliche, wenn nicht sogar bessere Isolierfähigkeit als herkömmlichere Isoliermaterialien, kann aber eine deutlich bessere CO2-Bilanz aufweisen. Synthetische Isoliermaterialien, wie Glaswolle, Steinwolle oder Styropor brauchen in der Produktion erheblich mehr Energie.

Synthetische Isoliermaterialien bieten zwar einen höheren Brandschutz, sollten sie aber doch zu brennen anfangen (und irgendwann brennt alles), geben diese Stoffe große Mengen an unfassbar gefährlichen und umweltfeindlichen Gasen in der Umgebung ab. Das ist bei Hanf und anderen natürlichen Baustoffen nicht der Fall.

Äpfel und Orangen vergleichen

Da Hanf immer noch nur in geringen Mengen genutzt wird und die Produktion weniger optimiert ist als für andere Rohstoffe, ist es oft teurer und weniger erhältlich etc. als andere Materialien. Das macht diese Vergleiche manchmal nicht ganz realistisch. Es bedeutet aber auch, dass Hanf immer noch viel Potenzial nach oben hat. Es gilt nur, dass wir als Konsumenten eine wichtige Wahl treffen.

Hanf Fasern Schnur Nachhaltig Materialien
Hanffasern sind 8(!) mal stärker als Flachs Foto: Boris Sopko from Pexels

Wofür kann Hanf genutzt werden?

Es gibt wenige Pflanzen, die so vielfältig sind wie Hanf, sowohl als Nahrungsmittel, Rohware, Arzneimittel als auch als Gebrauchsgegenstände.

Samen

Die Samen haben einen hohen Anteil an Omega-3 und Aminosäuren und sind somit wertvolle Nahrungsmittel. Zudem sind sie voller Vitamin B, Vitamin E, Carotine, gesättigte Fettsäuren und Gamma-Linolsäure, was in Hautpflegeprodukten gerne genutzt wird:

Sie sind, zum Beispiel in

  • Müsli
  • Öl
  • Mehl in Kuchen und Gebäck
  • Tiernahrung
  • Haut- und Haarpflegeprodukten
  • Eiweißpulver

Fasern

Hanffasern sind dafür bekannt, besonders stark und langhaltend zu sein und werden daher für Folgendes verwendet:

  •          Segelseil
  •          Kleidung und andere Textilien
  •          Papier
  •          Hanfholz (aus Hanffasern gepresst)
  •          Bekämpfung von Schädlingen

Blumen und Blätter

Die Blumen und Blätter sind besonders aromatisch, sie eignen sich als:

  •          ätherische Öle für Duft oder Geschmacksergänzung
  •          Haut- und Haarpflege
  •          Öle mit dem Wirkstoff CBD, können schmerz-, depressions- und angstlindernd wirken.

 

Stengel/ganze Pflanze

  • Hempcrete/Hanfbetong
  •  Isolierung in Häusern
Hanf als Textilien
Foto: Mel Poole on Unsplash

Was sind die schönsten Hanfprodukte?

Wo sollen wir anfangen und wo aufhören? Es gibt eine reichliche Auswahl:

Hemp Chair aus Hampfiber und biologischem Kleber. Design von Werner Aisslinger
Tekstilien aus Hanf Bettdecke
Tagesdecke aus Hanf von Ellos
Körbe aus Hanf
Mit diesen Körben von HausDoctor.com hast du eine schöne Wanddeko und Aufbewahrung in einem.
Hamp als Material
Hanf ist nicht nur für die Erwachsenen. Ein Schaukelstuhl aus Hanffasern, Design von Henry&Co.
Schuhe aus Hanf
Wie wäre es mit Senkers aus Hanf, Kork und rezirkulierten Sohlen von 8000Kicks ?

Teppich aus Hanf von Trendcarpet zuHause bei Homebystuart

Kilder: Britannica.com, mattilsynet.no, naturalis.no, aftenposteninnsikt.no, thinkhempythoughts.com, hausvoneden.de, hanf-magasin.com wikipedia.com, hempalaya.com, https://www.grontskift.no, howstuffcompares.com, thegreenmarketreport.com, lfdd.no, medium.com

Faktenbox

Leinen und Hanf sind fast gleichwertig und haben vieles gemeinsam.

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Leinen und Hanf:

    • Beide lassen sich beide leicht zusammenfalten.
    • Sie absorbieren Feuchtigkeit. Hanf jedoch etwas mehr als Leinen (Hanf 12 % – Leinen 10–12 %).
    • Sowohl Leinen als auch Hanf sind atmungsaktiv.
    • Die beiden bieten eine natürliche Isolierung. Die hohlen Fasern kühlen im Sommer und wärmen im Winter.
    • Hanf und Leinen haben antibakterielle Eigenschaften.
    • Die zwei Textilien werden mit dem Waschen noch besser und werden mit jedem Waschgang weicher.
    • Sowohl Hanf als auch Leinen sind widerstandsfähig gegen Motten und andere Insekten.
    • Die beiden lassen sich leicht färben, da die Farbe hoch-absorbierend ist.
    • Hanf und auch Leinen sind biologisch abbaubar.
    • Allgemein sind Hanffasern länger als Flachsfasern (Hanf: 1–2 Meter, Leinen 0,5–1 Meter.
    • Flachsfasern sind gelb- bis gräulich. Hanf ist graugelb bis dunkelbraun.
    • Hanf ist besonders widerstandsfähig gegen Fäulnis, Schimmel und Salzwasser.
    • Hanf ist zudem sehr stark und verträgt UV-Strahlen besser als Leinen.
    • Hanf ist weniger elastisch als Leinen und weitet sich am wenigsten aus von allen natürlichen Fasern.

Quellen: Britannica.com, mattilsynet.no, naturalis.no, aftenposteninnsikt.no, thinkhempythoughts.com, hausvoneden.de, hanf-magasin.com wikipedia.com, hempalaya.com, https://www.grontskift.no, howstuffcompares.com, thegreenmarketreport.com, lfdd.no, medium.com

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